Harry
Mulisch

Wer in einer so kleinen Sprache, die eingeklemmt ist zwischen den englischen und deutschen Brüdern und nur von 20 Millionen gesprochen wird, Weltniveau erreicht, der muß etwas können.

John Updike
über Harry Mulisch

Bei
erschienen
:


Harry Mulisch
Zwei Frauen
ungekürzte Lesung von Gudrun Landgrebe
„Der Roman zeigt einen Autor, der eine Liebesgeschichte und ihre Bedeutung im Gleichgewicht hält.“ F.A.Z.


Harry Mulisch
Siegfried
ungekürzte Lesung von Achim Höppner mit Jeanette Hain
„Ein akustisches Kleinod… mehr als nur ein gut gelesenes Stück Literatur“ Deutsche Welle

Am 29. Juli 1927 geboren in Haarlem, Niederlande.

Mit 17 schreibt Mulisch seine erste Geschichte ‘De Pottebaker’. Sein Vater ist während der Kriegsjahre Personaldirektor bei Lippmann-Rosenthal & Co, dem Bankiershaus, das zwangsmäßig abgegebene jüdische Besitztümer "verwaltete", und kann durch diese Position seine Ex-Gattin und seinen Sohn vor den Deutschen schützen.

In den Jahren 1952 – 1959 schreibt Mulisch literarische Rezensionen und Artikel in ‘De Groene Amsterdamer’, ‘Haarlems Dagblad’ und ‘Het Parool’, besucht Wien, Italien, Rumänien und die DDR.

1961 berichtet Mulisch für ‘Elseviers Weekblad’ vom Eichmann - Prozeß in Israel. Für sein Buch ‘Strafsache 40/61’, eine Reportage über den Prozeß, reist Mulisch nicht nur nach Israel, sondern auch nach Berlin, Auschwitz und Maidjanek; es wird 1963 mit dem ‘Vijverberg-Prijs‘ ausgezeichnet.

10.6.1977 die Weltpremiere der Oper ‘Axel’, zu der Mulisch das Libretto geschrieben hat, findet im Circustheater in Scheveningen statt. 1981 findet im Februar in der ‘Spaanse Scholengemeenschap’ in Haarlem eine Ausstellung über das Leben und Werk von Mulisch statt.

1987 Verfilmung von ‘Das Attentat’. ‘The Assault’ wird mit dem Golden Globe und einem Oskar ausgezeichnet.
1992 Das ‘Letterkundig Museum’ widmet dem Werk von Harry Mulisch im Herbst eine große Ausstellung.

Auszeichnungen
1951 Reina Prinsen Geerlings-Preis
1957 Anne-Frank-Preis; Bijenkorf-Literaturpreis
1961 Visser Neerlandia-Preis; Athos-Preis
1963 Vijverberg-Preis
1977 Constantijn Huygens-Preis; Cestoda-Preis; Niederländischer Staatspreis für Literatur; Ritter im Orden von Oranien-Nassau
1985 Diepzee-Preis
1992 Befördert zum Offizier im Orden von Oranien-Nassau
1993 Preis der Kritik; Multatuli-Preis
1995 Niederländischer Literaturpreis (Auszeichnung wird von der Niederländischen; Sprachenunion im Dreijahresabstand vergeben)


Spiegel Special Nr. 10 / 1997
Vom Wesen der Welt
Auszüge aus einem Gespräch mit Annette Bruhns

Wenn ein Haus brennt, und die Frau, die man liebt, ist noch drin, und man kann sie nur retten, indem man sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, und man tut es trotzdem, dann ist das Liebe. Und wenn man denkt: ,,Na, lieber nicht'' - dann ist es keine.

Ist so eine Liebe Schicksal?
Liebe ist etwas, was man wollen muß, Liebe ist ein Entschluß. Wenn man mit einer Frau lebt und andere Frauen sieht, auch anziehendere, dann ist man einfach nicht offen für sie. Aber in dem Moment, wo eine Liebe kaputtgeht, geschehen ganz neue Sachen, und innerhalb eines halben Jahres ist eine ganz neue da. Und das ist so, weil man es will. Nein, das ist nicht der liebe Gott, der diese Frau auf deinen Weg setzt: Die war schon immer da, aber du hast sie nicht gesehen, du warst nicht offen genug.

Man muß sich also bloß öffnen für die Liebe?
Man kann sie nicht suchen, man findet man sie nicht. Höchstens für eine Nacht. Das ist genauso wie mit einer Idee: Wenn man sich hinsetzt und grübelt wie Rodins Denker, fällt einem nichts ein - Erst unter der Dusche kommen die Ideen.

Ihr Credo ist: ,,Sucht zuerst das himmlische Königreich, der Rest wird euch geschenkt.'' Was ist das für ein Königreich?
Die Domäne, die man nur um ihrer Sache selber willen tut, nicht weil man Geld verdienen wird: schreiben, malen oder musizieren etwa.

Und was machen die, die keine Künstler sind?
Die müssen vielleicht in den Gottesdienst - ich brauch' den nicht.

Als 16jähriger haben Sie beschlossen, daß Ihnen nie wieder jemand vorschreiben sol!, wann Sie aufstehen müssen. Leben Sie auch jetzt noch nach diesem Lustprinzip?
Seitdem immer. Ich war nach dem Krieg arm wie eine Ratte. Bis ich 30 war, habe ich von Freundinnen gelebt, die arbeiteten. Ich lag im Bett bis um elf Uhr und fing dann an, meine frühen Meisterwerke zu schreiben.

Haben Sie sich nicht geschämt?
Überhaupt nicht. Meine Freundinnen fanden das auch richtig. Die lasen das, was ich schrieb, und waren stolz auf mich.